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KI Wissen

Chinesische KIDeepSeek, Qwen und Co

Veröffentlicht: 19. August 2026 · Lesedauer 8 Min

Mit KI erstellt, redaktionell geprüft

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Chinesische KI DeepSeek, Qwen und Co

Worum’s geht

  • Sechs große chinesische Anbieter konkurrieren inzwischen ernsthaft mit OpenAI, Anthropic und Google.
  • In einzelnen Messungen liegen sie vorn — nicht mehr knapp dahinter.
  • Der eigentliche Hebel ist der Preis: 15- bis 30-mal günstiger als vergleichbare westliche Modelle.
  • China fördert das massiv, mit 345 Milliarden Yuan Staatsanteil allein 2026 und subventioniertem Strom für Rechenzentren.
  • Aber: Deutsche Aufsichtsbehörden gehen gegen DeepSeek vor, Italien hat die Verarbeitung beschränkt.
  • Der Unterschied, den kaum jemand macht: Die App ist das Problem, nicht das Modell.

Vor zwei Jahren war „chinesische KI“ für die meisten ein Randthema. Heute stehen chinesische Modelle in mehreren Ranglisten vor den bekannten westlichen Namen — und kosten einen Bruchteil.

Das macht sie noch nicht zur guten Wahl für dein Unternehmen. Warum, steht weiter unten.

Wer die Anbieter sind

Die Sprachmodelle — das Feld, um das es meistens geht

ModellDahinter stehtWas es istStärke
DeepSeekDeepSeek (Hangzhou)SprachmodellLogisches Schlussfolgern, sehr günstig
QwenAlibabaSprachmodell, breit multimodalGrößte Modellfamilie, versteht auch Bilder
KimiMoonshot AISprachmodell, versteht Bild und VideoSehr lange Texte, Programmieren
DoubaoByteDance (TikTok)Sprachmodell mit Video-VerständnisRiesige Nutzerbasis im Heimatmarkt
GLMZhipu AISprachmodell, multimodalAus dem Umfeld der Tsinghua-Universität
ERNIEBaiduSprachmodell, multimodalDer Platzhirsch der ersten Generation

Ein Begriff, der ständig verwechselt wird: „Multimodal“ heißt bei diesen Modellen fast immer, dass sie Bilder oder Videos verstehen — du lädst ein Foto hoch und stellst Fragen dazu. Es heißt nicht, dass sie Bilder erzeugen. Das sind zwei verschiedene Fähigkeiten.

Für Bild und Video sind es andere Namen

Wer chinesische KI zum Erzeugen von Bildern oder Videos sucht, landet nicht bei DeepSeek oder Qwen, sondern hier:

ModellDahinter stehtWofür
KlingKuaishouVideogenerierung, international bekannt geworden
HunyuanTencentBild- und Videogenerierung

Diese beiden tauchen in den Sprachmodell-Ranglisten nicht auf, weil sie eine andere Aufgabe lösen. Umgekehrt gilt dasselbe.

Expertentipp

Wenn dir jemand „das chinesische ChatGPT“ empfiehlt, frag nach, wofür genau. Ein Sprachmodell für Texte, ein Bildmodell und ein Videomodell haben außer der Herkunft wenig gemeinsam — und unterscheiden sich auch beim Datenschutz, weil sie über verschiedene Dienste laufen.

Auffällig am Gesamtbild: Das ist keine Ein-Firmen-Geschichte mehr. 2025 stand DeepSeek allein im Rampenlicht. Inzwischen ist es ein Feld mit mindestens sechs ernstzunehmenden Sprachmodell-Anbietern — teils aus Konzernen wie Alibaba und ByteDance, teils aus Universitätsumfeldern — plus eigenständige Anbieter für Bild und Video.

Wie gut sind sie wirklich?

Kurz: besser, als die meisten annehmen.

MessungErgebnis
LiveBench (allgemeine Aufgaben)Qwen3-Max 70,3 — vor Claude Sonnet 4.6 (68,1) und DeepSeek V3.2 (67,8)
SWE-Bench Pro (echte Programmieraufgaben)Kimi K2.6 58,6 — vor GPT-5.4 (57,7)

(Stand: Juli 2026)

Zwei ehrliche Einschränkungen dazu. Benchmarks sind Momentaufnahmen — die Rangfolge ändert sich mit jeder Modellversion, und alle Anbieter optimieren gezielt darauf. Ein Vorsprung von 0,9 Punkten sagt über den Alltagsnutzen wenig aus.

Und: Für deutsche Texte gibt es kaum belastbare Vergleiche. Die genannten Ranglisten messen überwiegend auf Englisch. Wie gut ein Modell im deutschen Büroalltag formuliert, steht auf einem anderen Blatt.

Der Preis ist das eigentliche Argument

Hier liegt der Unterschied, der nicht nach Nuancen aussieht: Chinesische Spitzenmodelle kosten für vergleichbare Aufgaben 15- bis 30-mal weniger als westliche.

Für Privatnutzer spielt das keine Rolle — dort sind die Gratisversionen ohnehin kostenlos. Relevant wird es, sobald Unternehmen Modelle über Schnittstellen in eigene Abläufe einbauen. Aus 3.000 Euro Monatskosten werden dann 150.

Warum China auf offene Modelle setzt

Der strategische Unterschied ist größer als der technische. Während OpenAI und Anthropic ihre stärksten Modelle geschlossen halten, veröffentlichen viele chinesische Anbieter die Modellgewichte — jeder kann sie herunterladen und selbst betreiben.

Das ist keine Großzügigkeit, sondern Kalkül: Wer die Grundlage stellt, auf der andere bauen, prägt den Standard. Eine amerikanische Analyse beschreibt das als bewussten Gegenentwurf zum US-Modell, das Ressourcen auf wenige Plattformen konzentriert.

Nebenbei entsteht daraus ein rechtlicher Vorteil: Mehrere chinesische Modelle lassen sich kommerziell einfacher nutzen als Metas Llama, dessen Lizenz Einschränkungen ab einer bestimmten Nutzerzahl enthält.

Wie der Staat das fördert

Die Zahlen sind der Grund, warum das Tempo nicht nachlassen wird (Stand: 2026):

MaßnahmeUmfang
Staatlicher Anteil an KI-Investitionen 2026345 Mrd. Yuan — 39 % der Gesamtinvestition
Fonds für KI-Start-ups8,2 Mrd. US-Dollar
15 neue Forschungszentren89 Mrd. Yuan
Heimische Halbleiter für KI67 Mrd. Yuan
Universitäre KI-Programme45 Mrd. Yuan

Dazu kommt etwas, das in Europa selten diskutiert wird: subventionierter Strom. In Provinzen wie Gansu, Guizhou und der Inneren Mongolei werden Rechenzentren die Energiekosten um bis zu 50 Prozent gesenkt. Bei KI-Training ist Strom ein Hauptkostenfaktor — das wirkt unmittelbar auf die Preise.

Der 15. Fünfjahresplan für 2026 bis 2030 schreibt KI als nationale Priorität fest.

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Und jetzt die Warnung

Bis hierhin klingt es nach einer Erfolgsgeschichte. Für europäische Unternehmen kommt jetzt der Teil, der zählt.

Deutsche Aufsichtsbehörden gehen gegen DeepSeek vor. Die Berliner Beauftragte für Datenschutz hat die DeepSeek-Apps im Juli 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt gemeldet, mit dem Ziel, sie aus den App-Stores zu entfernen. Der Vorwurf: unrechtmäßige Übermittlung personenbezogener Daten nach China.

Nach Darstellung der Behörde konnte das Unternehmen nicht überzeugend darlegen, dass Daten deutscher Nutzer in China auf einem der EU gleichwertigen Niveau geschützt sind.

Das ist kein Einzelfall. Seit Februar 2025 prüfen mehrere Landesdatenschutzbehörden — unter anderem Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Bremen und Berlin. Italien hat bereits Ende Januar 2025 die Verarbeitung italienischer Nutzerdaten beschränkt. Auch in Irland läuft ein Verfahren.

Was erhoben wird, ist ungewöhnlich umfangreich: neben Chatverläufen und Suchanfragen auch Geräte- und Browserdaten sowie Tippmuster. Gespeichert wird auf Servern in China — und China gilt datenschutzrechtlich nicht als sicheres Drittland.

Die Verfahren sind zum Redaktionsschluss nicht abgeschlossen. Wir geben den Stand der behördlichen Prüfungen wieder, nicht deren Ergebnis.

Der Unterschied, den kaum jemand macht

Hier wird es interessant, und dieser Punkt fehlt in fast jedem Artikel zum Thema:

Die Kritik richtet sich gegen die Apps und Dienste — nicht gegen die Modelle.

Weil viele chinesische Anbieter ihre Modellgewichte offenlegen, lassen sich diese Modelle auf europäischen Servern oder auf dem eigenen Rechner betreiben. Dann geht kein einziges Byte nach China, weil gar keine Verbindung dorthin besteht.

NutzungswegWohin gehen deine Daten
App oder Website des AnbietersAuf Server in China
Modell selbst betrieben, lokal oder EU-HostingNirgendwohin — es bleibt bei dir

Das ist derselbe Gedanke wie bei lokalen Modellen allgemein, den wir in Welche Daten gehören nicht in KI-Tools beschrieben haben.

Expertentipp

Wenn dir jemand sagt „chinesische KI ist verboten“, frag nach, was genau gemeint ist. Die App im Store und dasselbe Modell auf einem Server in Frankfurt sind datenschutzrechtlich zwei völlig verschiedene Dinge.

Was das für dich heißt

Als Privatperson: Du darfst diese Apps nutzen. Sei dir bewusst, was erhoben wird, und gib nichts hinein, was du nicht auf einem Server in China sehen möchtest.

Im Unternehmen: Von der App-Nutzung mit personenbezogenen Daten ist derzeit abzuraten, solange die Verfahren laufen. Wer die Leistung trotzdem nutzen will, sollte den Weg über selbst betriebene Modelle prüfen — und diese Entscheidung mit dem Datenschutzbeauftragten abstimmen, nicht allein treffen.

Für die Einordnung: Der technologische Abstand ist kleiner geworden, als die öffentliche Wahrnehmung nahelegt. Wer sich ein Bild von der KI-Landschaft macht und dabei nur nach Kalifornien schaut, übersieht die Hälfte.

Häufige Fragen

Ist DeepSeek in Deutschland verboten?

Nein. Die Berliner Datenschutzbehörde hat die Apps bei Apple und Google gemeldet und deren Entfernung angeregt, mehrere Landesbehörden prüfen. Ein generelles Verbot gibt es nicht (Stand: August 2026).

Sind chinesische Modelle schlechter als ChatGPT?

Nach den gängigen Ranglisten nicht mehr grundsätzlich. In einzelnen Messungen liegen sie vorn. Für deutschsprachige Texte gibt es allerdings kaum belastbare Vergleiche.

Warum sind sie so viel günstiger?

Mehrere Gründe: staatlich subventionierte Energie, effizientere Trainingsverfahren und eine Marktstrategie, die auf Verbreitung statt auf Marge zielt.

Kann ich chinesische Modelle datenschutzfreundlich nutzen?

Weil viele offen verfügbar sind, lassen sie sich selbst betreiben. Ob das für deinen Fall ausreicht, entscheidet dein Datenschutzbeauftragter.

Was ist mit Zensur?

Modelle, die in China entwickelt wurden, unterliegen dort inhaltlichen Vorgaben. Bei politisch heiklen Themen sind Ausweichantworten zu erwarten — bei Büroaufgaben spielt das in der Regel keine Rolle.

KI zu verstehen ist längst keine Technikfrage mehr. Es ist Alltagskompetenz.

Der Einstieg dauert keine fünf Minuten. Bleib dran, dann verlierst du nicht den Anschluss.

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Quellen